
Weltkarte
mit ausgewählten
Projektrealisationen
Sitemap
|
Das
häufig im Internet vorzufindende Kürzel steht
für "Frequently asked
questions", also "häufig gestellte Fragen".
Wir
haben erst Anfang 2011 angefangen, einige der Fragen, mit denen der
Autor Michael Blumberg zum Teil seit 30 Jahren konfrontiert ist, auf
dieser Internetplattform zu beantworten. So wie es die
verfügbare Zeit
erlaubt werden wir dieses Kapitel Zug um Zug ergänzen.
Es
handelt sich um subjektive Einschätzungen auf empirischer
Basis ohne
wissenschaftlichen Wahrheitsanspruch.
Wir erlauben
uns, gelegentlich auch einfach nur ein persönlich
gefärbtes Statement
abzugeben, ohne dass uns jemand dazu aufgefordert hätte.
Im
besten Fall fühlt sich das Publikum animiert, den
geäußerten Meinungen
und Sachverhaltsdarstellungen zu widersprechen oder beizupflichten.
Wenn weder das Eine noch das Andere stattfindet unterstellen wir, dass
die Beiträge Langeweile erzeugen und löschen diese
Unterseite auf
unserer Homepage.

Antwort
zu Frage 1:
Bei
unseren Auslandsprojekten in Asien, Afrika und Mittel- und
Südamerika
nutzen
wir nahezu ausnahmslos einheimische Sumpfpflanzen:
Im
Mittelmeerraum und angrenzenden ariden Zonen (und auch in anderen
Ländern,
wie die Beispiele zeigen):
Lokale
Ökotypen von Phragmites
communis (synonym australis),
die dort bis zu 6
m hoch werden, z. B. im Süd-Iran

Phragmites communis
Pflanzenkläranlage
im Südiran
|

Phragmites
communis
Pflanzenkläranlage
in Syrien
|
  |
Phragmites communis
Pflanzenkläranlage in Namibia |
Phragmites communis
Pflanzenkläranlage
in Südchina
|
Ferner
ist dort Arundo donax eine
häufig
bevorzugte Pflanze
|

Arundo donax
(Indien)
|

Arundo
donax
(Mexiko)

Cyperus papyrus
Pflanzenkläranlage
in Mexiko |
Oder
wir
greifen auf nahe Verwandte zurück, z. B. Phragmites karka,
in Ländern
wie Niger und Tschad.
Weiter
südlich in Afrika, aber auch z. B. in Mexiko und Indonesien
ist Cyperus papyrus
unser Favorit.
In Südamerika nehmen wir Scirpus
tatora
(synonym Schoenoplectus),
z. B. Ecuador, Peru oder Zizaniopsis
bonariensis in Brasilien).
|

Cyperus papyrus
(Naturbestand in Mexiko) |

Cyperus
papyrus
Pflanzenkläranlage
auf Sumatra,
Indonesien
|
Ebenfalls
gut geeignet ist in Äquatornähe die Gattung Typha (latifolia oder angustifolia), z.
B. in Indonesien, Indien und Vietnam bisher erfolgreich von uns
eingesetzt.
|

Typha
latifolia
|
In
Vietnam haben wir ferner bei einer Industrieabwasserbehandlungsanlage -
Tapiokastärke-Fabrik
- unter anderem noch folgende
Spezies
erfolgreich getestet:
|

Pandanus
humilis
|
Daneben
gibt es eine Fülle lokaler Seggen (Carex
ssp.), die als Begleitpflanzen eingesetzt werden
können.
|

Segge (Carex
ssp.) aus
Vietnam
|

Segge
(Carex ssp.)
aus
Mexiko
|
In
vertikal durchströmten aeroben Bodenfiltern, die
intermittierend
beschickt werden, ist das potentielle Pflanzenspektrum noch wesentlich
größer:
Vetiveria
zizanoides, Miscanthus sinensis, Miscanthus x giganteus, Spartina
alterniflora, aber auch Nutzpflanzen wir Saccharum officinarum
und Musa ssp.
kommen in Frage.
Im
Gegensatz dazu dominiert am anderen Ende der Klimazonen bzw.
Breitengrade – in den winterkalten Gebieten – z. B.
Nordchina,
Russland, Skandinavien wieder Phragmites
communis (synonym australis)
mit lokal angepassten Ökotypen, die monatelange Frostperioden
von - 20
bis - 30 °C problemlos überstehen.
|

Phragmites
communis
Pflanzenkläranlage
in
Nordchina |
Für
Sondereinsatzbereiche wie z. B. für unser riverbank wetland
garden
concept im Großraum Shanghai nutzen wir natürlich
das gesamte
potentielle Sumpfpflanzenspektrum aus, da hierbei auch
landschaftsästhetische Aspekte eine dominante Rolle spielen.

Riverbank
wetland garden concept
|

Pontederia cordata |

Lythrum
salicaria |
Bei
Vorklärteichen oder nachgeschalteten Schönungsteichen
darf natürlich –
neben zahlreichen Nymphaceen (Seerosengewächsen) –
die kulturell
berühmte Nelumbo
nucifera (Lotusblume) in vielerlei Hinsicht nicht fehlen.
|

Nelumbo nucifera
(China) |

Nelumbo
nucifera
(China |

Antwort
zu Frage 2:
Es handelt sich um Chlorosen, also einen Chlorophylldefekt der
Pflanzen, der zu diesen Vergilbungserscheinungen führt.
Mögliche Ursachen für die mangelhafte
Chlorophyllbildung oder
den vorherbstlichen Chlorophyllzerfall sind Krankheitserreger, vor
allem Viren oder Nährelementmangel. Hierbei stehen Stickstoff,
Eisen und Schwefel im Vordergrund, die solche auffälligen
Gelbverfärbungen bei Mangelernährung verursachen.
Warum schließen wir eine Virose aus? Bei der betrachteten
Kläranlage haben wir direkt neben dem betroffenen
Schilfbestand
der Planzenkläranlage (5.000 m²) auch eine
2.500 m² große Klärschlammvererdungsanlage
mit dem gleichen Phragmites
communis-Ökotyp
bepflanzt. Letztere zeigt keinerlei Chlorosen; im Klärschlamm
sind
offenbar keine Nährstoffdefizite. Wenn es eine Virose
wäre,
die überwiegend über Blattläuse als Vektor
verbreitet
wird, müsste das Phragmitetum der Vererdungsanlage ebenfalls
befallen sein.
Das beschriebene - nicht seltene Phänomen - hat keinen
messbaren
Einfluss auf die Reinigungsleistung der schilfbepflanzten Bodenfilter.
Wir haben daher stets von Bekämpfungsmaßnahmen
abgeraten,
weil teuer und überflüssig.

Antwort
zu Frage 3:
Meine generelle Einstellung dazu ist, dass
das Schilf nicht gemäht werden sollte. Wir haben dies in den
letzten 30 Jahren auch ganz überwiegend bei unseren Projekten
so
durchhalten können.
Meine Gründe lauten wie folgt:
Das abgestorbene Schilf bildet eine oberirdische Streuschicht aus
(Detritus), die in der Bodenkunde als Auflagehorizont (Of
) bezeichnet wird und wichtige Funktionen erfüllt. Da gut
belüftet und hoch belebt, ist es eine mikrobiell sehr reaktive
Zone. Je nach Zersetzungsform der organischen Substanz in einem
Waldboden wird sie als Rohhumus-, Moder- oder Mullschicht angesprochen.
Die allmählich fortschreitende Zersetzung dieser organischen
Substanz, also im wesentlichen Blätter und Stängel,
liefert
ständig Huminstoffe an den Boden, die dessen
Wasserspeichervermögen und Adsorptionsfähigkeit
deutlich
erhöhen. Im Kontext der Abwasserreinigung (als zweite oder
dritte
Reinigungsstufe) ist diese Schicht ferner eine Kohlenstoffquelle, die
zumindest eine teilweise Denitrifikation erst ermöglicht.
Bei Starkfrösten ist es außerdem eine sehr
wirkungsvolle
Wärmedämmschicht, vor allem wenn der Schnee fehlt,
der
ein Einfrieren des Bodenkörpers bei
Barfrösten, verhindert.
Die aus meiner Sicht effektivste
Pflanzenkläranlagenvariante
ist die sogenannte integrierte
Schlammabwasserentsorgung,
bei der Rohabwasser ohne Absetzstufe und nur über einen
Grobrechen
vorgereinigt einer Schilfkläranlage zugeführt wird.
Der im
Abwasser vorhandene Primärschlamm wird auf der
Oberfläche
abgefiltert. Dies ist das von Deutschland nach Frankreich exportierte
Verfahren, das dort in etwa 800 realisierten Anlagen als
Standard
anzusprechen ist. Dabei ist zu beobachten, dass in den ersten zwei
Jahren der sich auf der Oberfläche ablagernde
Primärschlamm
zunächst zu Kolmationen führt. Dann bildet sich
jedoch eine
Streuschicht durch abgestorbenes Schilf, die oberflächennah
eine
hochdurchlässige, puffige Schmutzdecke ausbildet, die
langfristig
durchlässig bleibt. So gesehen kann also das als Strohschicht
vorhandene Schilf den darunter befindlichen Sandfilterkörper
sogar
vor Kolmationen schützen.
Ich räume allerdings ein, dass die
absetzbaren Stoffe im Rohabwasser eine eher sperrige Struktur haben
sollten und
dass wir es im Falle der Ertüchtigung bestehender
konventioneller Kläranlagen mit feindispersen
Sekundärschlämmen zu tun haben, bei denen der
geschilderte
Effekt möglicherweise nicht so günstig
ausfällt.
Die Stadtentwässerung
Einbeck
in Niedersachsen betreibt zwei größere
Pflanzenkläranlagen als biologische Hauptklärstufe
(jeweils
rund 1.000 EGW) und mäht das Schilf jeden Winter. Es
gibt
also beide Vorgehensweisen und ein abschließendes Urteil, ob
notwendig oder verzichtbar, kann zur Zeit nicht gefällt
werden.
Ich habe natürlich Verständnis dafür, wenn
der optische
Eindruck der ist, dass das sich zersetzende Schilf auf der
Oberfläche zu Versiegelungen führt.
Generell empfiehlt sich zur Schilfernte die Winterzeit. In
Norddeutschland wird das Reet für die Dächer auf
gefrorenen
Teichen geerntet, wobei darauf geachtet wird, dass kein Wasser
oder Abwasser in die verbleibenden Stoppeln laufen kann, da sonst die
Pflanze erstickt. Wenn also gemäht wird, sollten die
verbleibenden
Strohhalme immer noch ein paar Zentimeter höher sein als der
größtmögliche Beckeneinstau nach
Starkregenereignissen
(also mindestens 30 - 40 cm über Becken-GOK).
Bei manchen Anlagen - auch kleinen Hauskläranlagen - haben wir
ein
Anwachsen der Streuschicht beobachten können, so dass der
Neuaustrieb der Schilfpflanzen im Frühjahr durch Beschattung
massiv behindert wurde, quasi ein Verlandungs"-problem" wie bei
Mooren. In diesem Falle empfehlen wir den Betreibern das Schilfstroh
abzuharken und zu kompostieren. Erfahrungsgemäß ist
dies nur
alle 5 - 10 Jahre nötig.

Antwort
zu Frage 4:
Die Vorteile von constructed wetlands (bzw.
Pflanzenkläranlagen,
bepflanzten Bodenfiltern, hydrobotanischen Klärstufen, reed
bed
treatment systems) sind an zahlreichen Stellen auf dieser Homepage und
in der umfangreichen Fachliteratur beschrieben. Daher gebe ich hier
einmal eine "negative" Antwort:

Einige
Probleme von Abwasserteichen

Antwort
zu Frage 5:
Dr. Käthe Seidel (* 1907 in Frankenstein; † 1990 in
Krefeld) – sie wählte den Ausdruck
„Krefelder
Systeme“ (hydrobotanische Klärstufe).
In unserem umfangreichen Literaturarchiv über constructed
wetlands
(- oder, um eine Auswahl von häufigen Synonymen zu benennen:
Pflanzenkläranlage, Wurzelraumanlage,
Schilfkläranlage,
bepflanzte Bodenfilter, reed bed treatment system, treatment wetlands)
befinden sich folgende Veröffentlichungen von Käthe
Seidel:
Ein Literaturgesamtverzeichnis findet sich in der Diplomarbeit von
Andrea Wrede (2003):
Dr. Käthe Seidel – Die Binse und mehr?!
(Universität
Hannover, Fachbereich Landschaftsarchitektur und Umweltentwicklung).
Für interessierte Diplomanden/innen stellen wir diese, in
öffentlichen Bibliotheken überwiegend nicht
verfügbaren
Quellen gerne zur Verfügung. Man lernt u. a. daraus, wie viele
Epigonen die fundamentalen Grundkonzepte der eigentlichen ForscherInnen
und EntwicklerInnen nur wiederkauen und sich damit wichtigtuen, obwohl
ihr eigener Beitrag gering oder gleich Null ist.
Ich habe in meinem Vortrag im Rahmen des Workshops „Dr.
Käthe Seidel, Pionierin in der Erforschung der
Abwasserreinigung
durch Pflanzen“ am 22.01.2003 in der Universität
Hannover,
Fachbereich Landschaftsarchitektur und Umweltentwicklung (Prof. Dr. Eva
Hacker), diesem Sachverhalt Rechnung getragen und der Pionierin auf dem
Gebiet der Pflanzenkläranlagen die ungeteilte Ehre angedeihen
lassen, die ihr gebührt.
Es sind folgende wichtige Entwicklungsschritte im Schaffen von
Käthe Seidel in Bezug auf Pflanzenkläranlagen
auszumachen:
- Ab 1.1.1962 erste
Forschungen …
„über die Eignung höherer Pflanzen
für die
Gewinnung von Trink- und Brauchwässern aus belastetem Wasser
… Vorschläge zur technischen Realisierung
entsprechender
Verfahren …“ (Seidel 1967) mit der
Gründung der
„Limnologischen Arbeitsgruppe Dr. Seidel“ der
Max-Planck-Gesellschaft in Krefeld.
- Versuche
zur Keimelimination (E. coli,
Typhus-Erreger, Enterokokken, Salmonellen) mit Beteiligung von
Sumpfpflanzen (Schoenoplectus lacustris, Spartina townsendii,
Sparganium erectum, Typha angustifolia u. a.) ab 1961; mit Sandsubstrat
ab 1968; mit Kiessubstrat ab 1969.
- Vererdung
von Schlämmen (mit Phragmites communis u. a.) ab 1962.
- Phenolabbau u. a. mit Sumpfpflanzen
(Alisma
plantago aquatica u. a.) ab 1962.
- Trinkwasserbehandlung
(Elimination von E. coli) ab 1963.
- Industrieabwasserbehandlung
(Elimination von
Aromaten) für eine Hefe- und Würzfabrik sowie bei
einer
Zuckerfabrik ab 1961. Ihre grundlegenden Versuche hinsichtlich der
Überlebens- und Wachstumsmöglichkeiten von
Sumpfpflanzen
(Schoenoplectus lacustris u. a.) in Industrieabwässern
(Phenolabwasser, Molkereiabwasser) datieren ab 1952. Es folgten
zahlreiche In- und Auslandsprojekte über
Deponiesickerwässer,
Ölabbau, Abwässer von Schlachtereien, Papierfabriken,
Stoffdruckereien, Lackfabriken, Schlammaufbereitung aus Zuckerrohr- und
Holzfaserplattenfabriken in den 1970er Jahren.
- Krankenhausabwässer (Elimination
pathogener Keime) ab 1968
und nachfolgende weitere Erstversuche bis etwa 1975.
- Auch die heute übliche
intermittierende
Beschickung vor allem bei constructed wetlands mit vertical subsurface
flow wurde von Dr. Käthe Seidel in Form ihrer
„Leiterkaskade“ erfunden, eine Versuchsanstellung,
die das
Tidensystem (Ebbe und Flut) nachahmt und dadurch den Gasaustausch
drastisch befördert. „Das „Auf und Nieder
–
Einatmen und Ausatmen – Belasten und Entlasten, das war
es!“ (Seidel 1974). „In unserem Ebbe-Flut-System
wird bei
Ablaufen des aufgestauten Wassers Luft mitgerissen und besonders in die
Wurzelräume eingezogen, wo sie den abbauenden Bakterien als
Energiequelle dient“ (Seidel 1967).
- Die
letzte Arbeit von K. Seidel und H. Happel
datiert aus dem Jahr 1990: Entwicklung der
Pflanzenkläranlagen.
Institutsdruck Januar 1990).
Literaturnachweis:
Seidel, K. (1967): Eignung und Bedeutung von Wild- und
Kulturpflanzen
beim Abbau organischer und anorganischer Stoffe im Gewässer.
74 S.
Institutsdruck. Veröffentlichungen der Limnologischen
Arbeitsgruppe Dr. Seidel, Krefeld.
Seidel, K. (1974): Zit. in: Happel E. 2001: Gutes Wasser Lebensquell
– Die Natur ist Spender und Retter. 151 S., R. G. Fischer
Verlag,
Frankfurt/Main.

Antwort
zu Frage 6:
Leider ja, keine gute Frage –
nächste Frage bitte. Würde ich meine eigenen
Erfahrungen aus
den letzten 30 Berufsjahren hier rekapitulieren – es
würde
ein „Wut-Buch“ werden. Daher kein weiteres Wort von
mir
hierzu – schon um der eigenen Gesundheit willen. Für
Adrenalin-Kicks gibt es lohnendere Felder.
Lassen wir lieber die Erfinderin, Dr. Käthe Seidel (* 1907 in
Frankenstein; † 1990 in Krefeld) und ihre wissenschaftliche
Mitarbeiterin Helga Happel in einer späten
Veröffentlichung
selber zu Wort kommen:
[Auszüge aus „Limnologie in Stichworten (V). Ein
Beitrag zur
Schlammvererdung von K. Seidel und H. Happel, Stiftung Limnologische
Arbeitsgruppe Dr. Seidel e. V. Krefeld (1984), Wasserkalender 1984 S.
141-185, Erich Schmidt Verlag.]
Zitat aus I. Einleitung (S. 141)
…
„In
der gleichen Zeitschrift "Korrespondenz Abwasser" (7/83, 442-444)
wurden in dem Beitrag ,,20. Jahrestagung der ATV-Landesgruppe
Nordrhein-Westfalen" offene Worte über den "Stand der
Technik",
und über den wenig beachteten "Stand der Wissenschaft",
über
Rentabilität, über Schlammabgabe und -aufbereitung,
über
Mitarbeit der Bakterien und über die MonopolsteIlung der ATV
gesprochen und geschrieben. Daß es zu den hergebrachten
Systemen
auch eine natürliche Alternative gibt, wurde weder gesagt noch
geschrieben, obwohl unsere "Limnologische Arbeitsgruppe" in vielen
Veröffentlichungen (Vorträge mit Dias und
Aufsätzen)
berichtet hat, die der Fachwelt zugänglich sind, z. B.
über
den Aufbau von Schlamm-Filterbecken, über Wirkungsvorgang bis
zur
völligen Vererdung. Dennoch soll hier ausführlich die
Klärschlammvererdung in ihrer Entwicklung vom Laborversuch bis
zur
erfolgreichen Anwendung vorgestellt werden.“
Zitat aus V. Schlussbetrachtung a. a. O.
(S. 183)
…“Deshalb
legen wir großen Wert auf eine gute Zusammenarbeit zu den
Wasserwirtschaftsämtern mit all ihren Abteilungen und ihren
übergeordneten Stellen. Soweit uns dies gelungen ist,
möchten
wir uns an dieser Stelle bedanken.
Es ist
uns aber
nicht unbekannt, daß entsprechende Behörden sich
anscheinend
grundsätzlich dagegen wehren, daß neue
Möglichkeiten
der Schlammvererdung in ihr Arbeits- und Verantwortungsgebiet
eingeführt werden. Selbst schon die „Untere
Wasserbehörde" fällt hin und wieder unbesehen
Urteile, die
eine Einführung in die Praxis unmöglich machen. Oder
man
läßt den eingereichten, fachgerechten Antrag eines
Dipl.-Ing. über Jahre unerledigt liegen.
Fürchtet
man
eine neue, biologische Methode so sehr? Dabei handelt es sich doch bei
der vorgestellten Schlammvererdung nur um die "Ökologische
Nische", die vorhanden ist. D. h. wir wollen nur dort arbeiten, wo man
uns braucht und uns um Hilfe ruft.
Unsere
Erfahrungen
zeigen aber auch, daß das Ausland meist toleranter ist, nicht
etwa in bezug zur Sauberkeit der Gewässer, zur
Trinkwasserhygiene,
zur Grundwasserqualität, sondern in der Bereitschaft, jeden
Antrag
sachlich zu prüfen, ob er seinem Land in erfolgversprechender
und
finanzieller Hinsicht dient und ihn nach der Genehmigung aufmerksam
begleitet. Wir bitten deshalb die ATV zu überprüfen,
ob ihre
bekannte MonopolsteIlung (siehe Einleitung) durch Negierung oder
Ablehnung noch gerechtfertigt ist.“
Abschließende Bemerkung
meinerseits: Das
Patent für das Verfahren der Schlammmineralisation (sprich
Klärschlammvererdung) von Käthe Seidel stammt
übrigens
aus dem Jahr 1964
(Stuttgart P 14 848 39.6.), ein weiteres hierzu hat das Datum 11.08.1966 (Stuttgart
1210388).
Abschließende Literaturhinweise:
1) Wolfram, Maike (2003): Dr. Käthe Seidels Leben und Werk aus
der
Sicht der Freiraumplanung. Diplomarbeit. Universität Hannover,
Fakultät für Architektur und Landschaft.
2) Unsere
Seidel-Bibliografie

Antwort zu Frage 7:
Wir haben uns vor circa 20 Jahren einen
CCH-Permeameter selbst gebaut und damit durchweg gute Erfahrungen
gemacht (In-situ Messungen).
Verfahrensprinzip:
Wir konnten - auch im späteren praktischen Betrieb - nachweisen,
dass die geologischen Gutachten zu völlig überzogenen (und
damit teuren) Stranglängen der Versickerungsleistungen führen
und unsere CCH-Permeameter basierten Dimensionierungen wesentlich
kleiner und preisgünstiger realisierbar waren (z.B. an etlichen
Standorten in der Eifel). Wir verweisen hierzu auch auf unsere
Publikation zur Versickerung von mechanisch-biologisch gereinigten
Abwässern.

Antwort zu Frage 8:
Zum Beispiel mit Langarmbaggern.
Bei kleineren Anlagen auch mit gewöhnlichen Baggern, hier z.B. in Lahstedt-Münstedt.
Antwort zu Frage 9:
Diese Auffassung teile ich ausdrücklich nicht. Unter dem folgenden Link habe ich das ausführlich begründet.

Antwort zu Frage 10:
Die Ursache der sog. Rotalgenblüte oder "photosynthetic bloom" ist
eine Massen- entwicklung phototropher Bakterien, deren Farbpigmente
blaugrüne Lichtanteile absorbieren können. Dabei kann es sich
um verschiedene Stämme von Schwefel-, sog. Nicht-Schwefel- und
Cyanobakterien handeln. Die sonst in der Literatur an Abwasserteichen
in tropischen bis mediterranen Regionen beobachtete Färbung tritt
in Mitteleuropa z.B. auch an Teichen auf, welche an eine
Trennkanalisation angeschlossen sind. Die teilweise nur saisonal
auftretende Verschiebung der Phytoplanktonzönose von
Grünalgen zu phototrophen Bakterien kann durch
Temperaturerhöhung, besondere Abwasserinhaltsstoffe
(Fettsäuren, org. Schwefelverbindungen) oder erhöhte Raum-
bzw. Flächenbelastung initiiert werden.
Rotalgenblüte einer Teichkläranlage (oben und unten)
Die Bewertung dieses Phänomens ist unterschiedlich:
Teilweise wird daraus auf eine Überlastung der Teichanlage
geschlossen und entsprechende Maßnahmen in Form zusätzlicher
Belüftung oder Design- änderungen vorgeschlagen. Da der
Stoffwechsel phototropher Bakterien für die Reinigungsleistung der
Teiche wesentlich sein kann (z.B. wird die Emission geruchsintensiver
Stoffe vermindert) ist eine Einzelfallbetrachtung notwendig, ob und
welche Maßnahmen ergriffen werden können. Auf Grund der
geringen Dimension der Bakterien (1 - 2 µm) ist ein rein
mechanischer Rückhalt dieser Biomasse durch Anschwemmfilter schwer
möglich. Wahrscheinlich werden diese Bakterien, wie z.B. auch
Fäkalkeime in Bewachsenen Bodenfiltern durch biologische
Mechanismen zurückgehalten. Es gibt jedoch noch keine Untersuchung
zu Auswirkungen dieser bakteriellen Massenentwicklung auf ein
Vorflutgewässer bzw. auf einen Bodenfilter.
In einem unserer Projekte (Teichanlage mit Pflanzenkläranlage im
Bypass) ergaben sich trotz Massenentwicklung dieser rötlichen
Bakterien im Vorklärteich, dessen Ablauf vollständig auf die
Bodenfilter gepumpt wird, keine negativen Auswirkungen. Das
Ablaufwasser ist unverändert klar (also ungefärbt) und
grenzwertkonform.

Antwort zu Frage 11:

Antwort zu Frage 12:
Ich sehe folgende Systematik:
Antwort
zu Frage 13:
Kläranlagen konventioneller Art wirken
vor allen im naturräumlich geprägten ländlichen Raum
außerordentlich störend. Mögliche Geruchsemissionen
verlangen eine Ausgliederung aus arrondierten Wohnlagen. Grüne
Fassadenfarben und verbrämende Bepflanzung heben den
artifiziellen Charakter dieser Baukörper inmitten der
Naturlandschaft nicht auf.
Sogenannte "naturnahe" Klärverfahren halten sich zugute, dass
die "Biologie" (die biologische Reinigungsstufe) nicht innerhalb
technischer Reaktoren aus Beton und Stahl (Tropfkörper,
Belebungsbecken, Tauchkörper) angesiedelt ist, sondern sich als
eine mittlere Verdichtung natürlicher
Selbstreinigungsvorgänge des Freiwasserkörpers
(unbelüftete bzw. belüftete Klärteiche) oder des
pflanzlich erschlossenen Bodens (Schilfkläranlage) darstellt. Die
zunehmende Akzeptanz solcher Systeme erklärt sich einerseits aus
ökonomischen und betriebstechnischen Vorzügen, andererseits
bezieht das derzeitige Umweltbewusstsein breiter
Bevölkerungsschichten verstärkt "optische", d.h.
landschaftsangemessene und sonstige umweltrelevante Kriterien, in das
Entscheidungskalkül mit ein.
Naturnah bedeutet in diesem Sinne nicht nur naturräumlich
angemessen in Bezug auf stattfindende Abbauprozesse und
ästhetische Eingliederung in die Landschaft, sondern trachtet nach
weitgehender Vermeidung technischer Peripherie (Baukomplexe aus Beton,
Verringerung der Fremdenergiezuführung), ohne diese jedoch
doktrinär auszuschließen.
Auch für Schilfkläranlagen ist meist eine Minimalausstattung
mit technischen Einrichtungen obligatorisch (Rechen, Sandfang,
Sedimentationsbecken, Folienabdichtung, Pumpen u.a.). Einige Elemente
sind dabei nahezu unverzichtbar (Rechen beispielsweise), bei anderen
gilt es den Artefakt-Charakter so weit möglich auf ein Minimum zu
reduzieren.
Auch isolierte uferferne Schilfareale sind unzweifelhaft bedeutsame
Biotope für eine Vielzahl von Organismen. Ihr natürlicher
Standort innerhalb der terrestrischen bis semiterrestrischen Zonierung
von Flüssen, Seen und Teichen macht eine Angliederung von
Freiwasserflächen jedoch wünschenswert, wie dies z.B. bei
unseren Mischwasserreinigungsbiotopen ( Retentionsbodenfiltern) der Fall ist.
Diverse Vogelarten nutzen ausschließlich Röhrichte als
Habitat, andere nur zu Brut- und Rastzwecken. Viele Arten indes
besetzen Ufervegetation und freien Wasserkörper komplementär:
Brut im Röhricht, Nahrungsaufnahme im See, um nur ein Beispiel zu
nennen.
Erhaltung und Neuanlage von Feuchtgebieten im weitesten Sinne sind ein
erklärtes Ziel bundesdeutscher Naturschutzmaßnahmen.
Es erhebt sich daher die Frage, inwieweit moderne, naturnahe
Klärverfahren mehr als passiven Umweltschutz - in Form einer
Vermeidung von Gewässerverunreinigung - leisten können.
Immer ist auch geltend zu machen, daß Klärteiche oder
Schilfkläranlagen neben den intendierten Entlastungsaufgaben auch
Naturschutzanliegen erfüllen können und solche
Entsorgungseinrichtungen damit doppelt funktional einsetzbar sind.
Einschränkend gilt festzustellen, dass es derzeit kein (noch
bezahlbares) Klärsystem gibt, das die Nährstoffbefrachtung
des Abwassers auf ein Niveau senkt, das eutrophierungsneutral wirkt. An
oligotrophe Lebensbedingungen angepasste Spezies sind im hier
betrachteten klärtechnischen Rahmen nicht schütz- oder
förderbar.
Indes hat in einer weitgehend ausgeräumten Kulturlandschaft auch
der Schutz von Tier- und Pflanzenarten große Bedeutung, die an
ein höheres trophisches Potential gebunden oder adaptiert sind.
Feuchtgebietsschutz bzw. Reetablierung muss daher auch diese Arten ins
Blickfeld nehmen.
Insgesamt lässt sich also feststellen, dass in unserer trophisch
angereicherten Kulturlandschaft (u.a. durch landwirtschaftliche
Dünger) oligotrophe Lebensformen vorrangig zu schützen sind,
jedoch allgemein mit dem über Jahrzehnte betriebenen
Entwässern von Feuchtgebieten und weiträumigen
Flussbegradigungen auch eine Artenverarmung der an eutrophe
Verhältnisse angepassten Spezies zu verzeichnen ist.
Mit dem Bau von Pflanzenkläranlagen, Retentionsbodenfiltern und
schilfbepflanzten Klärschlammvererdungsbecken verknüpfen sich
durchaus auch beträchtliche Wohlfahrtswirkungen ökologischer
Art, die einen Beitrag zur Aufwertung der einseitig anthropogen
geprägten Kulturlandschaft leisten.
Antwort
zu Frage 14:
Feuchtgebiete sind Ökosysteme, deren
Teilkompartimente (Boden, Flora und Fauna) wesentlich vom Wasser
geprägt sind. Mit dem Substrat- und Feuchtigkeitsregime variieren
die möglichen Ausprägungsformen:
Verlandungsbereiche von Gewässern mit Röhricht und
Großseggenrieden, Kleinseggensümpfe, Großseggenriede
außerhalb von Verlandungsbereichen, Flächen mit
Schlenkenvegetation, Seggen- und binsenreiche Nass- und Feuchtwiesen,
Mädesüß-Hochstaudenfluren, offene Hochmoore,
Pfeifengrasstreuwiesen, Zwergstrauchheiden, Borstgrasrasen,
Hochmoorwälder, Bruchwälder, Auwälder, Quellen,
Bäche und Flüsse, Altwasser, Tümpel und Weiher, Seen,
feuchte Wirtschaftswiesen und -weiden.
Feuchtgebiete befinden sich als Übergangszonen zwischen
terrestrischen und aquatischen Habitaten und sind aufgrund der
schwankenden Feuchtigkeitsverhältnisse schwer gegeneinander
abzugrenzen. Röhrichte, die im Vordergrund dieser Betrachtung
stehen, haben eine besonders große Amplitude der tolerierten
Wasserverhältnisse am Standort. Die kosmopolitisch verbreitete
Gattung Phragmites, die oft in Mitteleuropa das Röhricht als
einzelne Art monotypisch bildet (ssp. australis bzw. synonym communis)
wurde von mir auch in Flusstrockenbetten arider Klimata gefunden z. B.
in den Wüsten Death Valley, USA und in der Sahara, Niger
(BLUMBERG 1986), hier in Form der Spezies Phragmites karka.
Hier soll zunächst nicht die Rede von Vögeln oder Insekten
sein, die als wichtigste Tierartengruppen in zahllosen Spezies
solche Biotope annehmen, und auch nicht von den ausgleichenden
Einflüssen auf das standörtliche Klima durch die hohe
Evapotranspiration (bis etwa 40mm = l/m²*d). Es gibt unzweifelhaft
eine Vielzahl von komplementären oder sekundären (das soll
heißen, nicht primär intendierten) "Wohlfahrtswirkungen"
solcher Schilfkläranlagen auf die Biosphäre und andererseits
möglicherweise auch noch nicht erkannte Gefahrenpotentiale von
solchen anthropogenen, neuetablierten Feuchtgebieten auf ehemals
terrestrischen, nunmehr durch Abwasser und Abdichtungen (PVC oder HD-PE
Kunststoffdichtungsbahnen) hydromorph umgeprägten Flächen.
Dieses wichtige Kapitel, das in der Diskussion der Fachwelt, die auf
Effizienz des Primärzwecks Abwasserreinigung fokussiert,
ohnehin stiefmütterlich behandelt wird bzw. allenfalls eine Rolle
spielt, um mit den offensichtlichen landschaftsästhetischen
Vorzügen Motivationsforschung für die hohe Akzeptanz dieser
naturnahen Verfahren beim Bürger zu betreiben, kann und soll hier
nicht vertieft werden, so lohnend dies auch erscheint.
Ob dieses Klärkonzept ökologisch genannt werden kann,
hängt nicht allein davon ab, welche technischen oder
natürlichen Kräfte zu einer Entsorgungsarchitektur
zusammengeführt werden. Unter diesem Blickwinkel ergäben sich
bereits ganz wesentliche Gesichtspunkte, die das Adjektiv
ökologisch rechtfertigten, wird doch ein vollständiges, in
der Natur so vorzufindendes Ökosystem (Schilfröhricht)
künstlich aufgebaut. Das naturfremde artifizielle Moment betrifft
vor allem den Standort, an dem es spontan, da dieser ursprünglich
terrestrisch war, sich nicht eingestellt hätte und die extreme
Beaufschlagung mit leicht abbaubaren und teilweise auch weniger
leicht oder sogar schwerabbaubaren Stoffen.
Die über nunmehr fünf Jahrzehnte gewonnenen Erfahrungen
zeigen, dass das gewählte Ökosystem
“Röhricht“ diesen Belastungen auch dauerhaft gewachsen
ist und dies verwundert zumindest Fachleute nicht
übermäßig, denn seit Jahrmillionen werden große
Mengen organischen Bestandsabfalls (Detritus) in den biogeochemischen
Kreisläufen der verschiedenen Ökosysteme vor allem durch die
Destruenten, primär also durch Mikroorganismen und Pilze, wieder
in die Ausgangssubstanzen, entsprechend dem 2. Hauptsatz der
Thermodynamik, also in energieärmere Verbindungen und Elemente
zerlegt.
Auch wenn der Energieeintrag in Form hochmolekularer Verbindungen
quantitativ in Schilfkläranlagen bedeutend höher ist
als in natürlichen Ökosystemen, operiert man bei den
Energiedichten kommunalen Abwassers noch nicht im Grenzbereich der
enzymkinetischen Substratsättigung und erhält bei der
mathematischen Modellierung der Abbauereignisse Funktionen vorwiegend
erster Ordnung, wie sie in allen Lehrbüchern der Mikrobiologie
beschrieben werden.
Die vorgenannten Konzeptbausteine führen nur teilweise zu einem in
sich geschlossenen ökologischen Ansatz. Man denke sich
beispielsweise ein "Biohaus", wie es sie heute vielerorts als
Einzelexemplare zu besichtigen gibt, das eine ökologische
Architektur hat (z.B. im Hinblick auf verwendete Baumaterialien, solare
Energieversorgung, Rezyklisierung von Wasser/Abwasser etc.), jedoch von
Menschen bewohnt wird, die in ihrer Lebensweise nicht in Einklang
mit der Intention des Architekten oder Bauherrn stehen, die also
Chemikalien im Haushalt im Überfluss einsetzen, Abfall- und
Abwasserberge produzieren und Energie für eine
unerschöpfliche Weltressource halten und demgemäß damit
sehr verschwenderisch umgehen. Die ökologischen
Rahmenvorgaben eines solchen Biohauses können sicherlich durch die
Lebensgewohnheiten der Menschen, die darin wohnen, konterkariert werden.
Ob ein Konzept letztlich ökologisch wirkt, wird also durch die Art und Weise der Nutzung entscheidend mitgeprägt.
In der derzeit praktizierten Siedlungswasserwirtschaft wird jedoch der
Input, d.h. der Eintrag von stofflichen Belastungen, nahezu
unkommentiert als quasi unbeeinflussbare Zivilisationsgröße
hingenommen.
Nach allem, was bisher aus ökotoxikologischen Untersuchungen
bekannt ist, müsste die Immissionsbetrachtung im Sinne des
Ökosystemschutzes zu außerordentlich verschärften
Anforderungen in Bezug auf die zugelassene Art, Menge und
Schädlichkeit von Abwassereinleitungen bzw. Schadstoffkomponenten
führen.
Sowohl hinsichtlich der Reinigungstechnik als auch im Hinblick auf die
Kosten kann jedoch eindeutig festgestellt werden, dass
ökotoxikologisch unbedenkliche Wirkungsebenen des
Vielstoffgemisches Abwasser über ertüchtigte Kläranlagen
allein nicht erreichbar sind. Auch die modernen
Membranfiltrationstechniken mit ihrer hohen selektiven
Trennschärfe sind in dieser Hinsicht nicht die Wunderwaffe
schlechthin. In der gleichen Sackgasse befinden sich bereits die
Wasserwerke, die nur einen Bruchteil der weit über 200 im
Grundwasser vorzufindenden Schadstoffe analysieren können, ganz
abgesehen von einer Elimination derselben.
Wirksamer Ökosystemschutz führt also unweigerlich zum
Verbraucher zurück, und das entspricht auch dem Verursacher- und
Vorsorgeprinzip.
Einschränkungen
in der Produktion und/oder dem Verbrauch von Produkten mit nicht- oder
schwerabbaubaren Inhaltsstoffen ergeben sich demnach als
zwangsläufige Konsequenz, auch wenn dabei die Prinzipien der
´freien´ Marktwirtschaft zugunsten einer die
Lebensgrundlagen stärker bewahrenden
´umweltorientierten´ Marktwirtschaft aufgegeben werden
müssten.
Für Kläranlagen muss aus einem ökologischen Ansatz
heraus gefordert werden, daß nur solche Stoffe zugeführt
werden dürfen, die abbaubar sind oder immobilisiert werden
können (z. B. Phosphate durch Fällung).
Die Klärtechnik und ihre Reinigungskapazität sollte das
zufließende Stoffgemisch definieren - bisher ist es umgekehrt.
Erst wenn diese den zugeführten Belastungen standhält und
diese Stoffe metabolisiert und in unschädliche Ausgangsstoffe
überführt oder zumindest dauerhaft bindet, wird ein
weitgehender Schutz nachgelagerter Bach-, Fluss- und
Meerökosysteme erreicht.
Glücklicherweise ist dies im Hinblick auf Schilfkläranlagen
(constructed wetlands) keine utopische Forderung, gehört doch der
belebte Boden zu den vielseitigsten Wirkungsgefügen, die wir
kennen. Er wird also bereits aus sich heraus mit stofflicher Vielfalt
und durchaus auch mit Xenobiotika erstaunlich gut fertig. (KICKUTH,
1992) Menschliche Manipulationen, wie zum Beispiel die
Erhöhung der wirksamen Aufenthaltszeit oder auch die Zugabe
physiko-chemischer Additive (im einfachsten Fall Kalk oder organische
Substanz) ermöglichen beträchtliche Wirkungsgradsteigerungen.
Trotz vorhandener oder künstlich erhöhter Pufferungskapazitäten wird eine
Reihe von Stoffkomponenten verbleiben (vor allem persistente
synthetische organische Verbindungen), die der Verbraucher
substituieren soll und muss, wenn die eingangs gestellte Frage so
beantwortet werden soll, dass das Entsorgungskonzept
´Abwasserreinigung im Röhricht´, sprich
Pflanzenkläranlage oder bepflanzter Bodenfilter, das Adjektiv
ökologisch in dem hier formulierten strengen Sinn verdient.
[1] KICKUTH, R. [1992]: Das
Wurzelraumverfahren zur Abwasserbehandlung „The strategy
behind“. Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung,
Landschaftsbau (Hrsg.): Biotoppflege-Biotopentwicklung, Teil 2 Bonn
Antwort
zu Frage 15:
Besser als Werner Nachtigall (1979)
könnte ich diese Frage nicht beantworten. Der nachfolgende Text
stellt daher eine Hommage an seine wunderbar anschaulichen
Darstellungen dar.
Der Schilfwald als Biotop
Neben einigen wenigen Säugetieren wie Bisamratten, Mäusen und
Spitzmäusen, sowie gelegentlich Rehen und Wildschweinen haben sich
vor allem Vögel den Lebensraum Röhricht erobert. Der
Insektenfülle, die das Schilfökosystem hervorbringt, bedienen
sich viele Arten gewissermaßen nebenher oder auf dem Durchzug,
die wir ganz überwiegend anderen Lebensräumen zuordnen:
Schwalben und Mauersegler, Stare, Drosseln und Sperlinge, um nur einige
Familien zu erwähnen.
Spezifischer an die besonderen Habitatverhältnisse des Schilfrohrs
angepaßt sind z.B. Moorente und Blesshuhn oder die Taucher:
Haubentaucher, Zwergtaucher, Schwarzhalstaucher.
Es lassen sich Kulturfolger wie Höckerschwäne ebenso wie die
Graugans ausmachen, desgleichen brüten Reiher und Löffler im
Schilf. Einige Arten letzter Gattungen sind extrem an den Schilfwald
angepaßt wie z.B. der Purpurreiher, der sich in seiner
längsgescheckten Zeichnung und mit seinen langen Zehen, die
jeweils ein ganzes Büschel von Schilfhalmen umfassen können
sowie seiner "Pfahlstellung" ausgesprochen behände in diesem
schwer zugänglichen Terrain bewegt und wie die Rohrdommel perfekt
zu tarnen im Stande ist.
Betrachtet man die Avifauna des Schilfwaldes, fällt brutbiologisch
eine Art Stockwerksaufteilung auf, an die man eher im Zusammenhang mit
dem Ökosystem "Tropischer Regenwald" denkt. Dessen extrem
vielfältige ökologische Nischen finden sich
gewissermaßen miniaturisiert für die lebensfeindlicheren
klimatischen Verhältnisse der gar nicht so "gemäßigten
Breiten" in diesem Lebensraum.
Die Faszination, die von der Vogelbiozönose des Röhrichts
ausgeht, wird durch ein längeres Zitat wahrscheinlich trefflicher
wiedergegeben, als durch meine noch so wohlmeinende moderierende
Zusammenfassung (Nachtigall 1979):
"Vielleicht bekommt man die vergleichsweise recht scheue Bartmeise zu
Gesicht, die eigentlich keine Meise ist, sondern ein Verwandter der
asiatischen Timalien. An seinen dunklen Bartstreifen am mächtigen,
grauen Kopf ist das Männchen sofort zu erkennen. Für die Brut
bevorzugt sie Schilfbestände, die bereits auf trockenerem Boden
stehen. Auf Nahrungssuche begibt sie sich aber weit in den Schilfwald
hinaus. Im Sommer ist sie auf Insektennahrung spezialisiert, soll vor
allem kleine Wasserkäfer fressen, im Winter dagegen frißt
sie die Samen des Schilfs und anderer Pflanzen. Diese Kost ist schwer
verdaulich, da sie im Magen zerrieben werden muß.
Demgemäß bildet sich im Winter eine stärkere Muskulatur
für den Muskelmagen, und nun nimmt die Bartmeise auch viele
Steinchen auf, so daß ihr Magen wie eine Schrotmühle
arbeiten kann.
Ähnlich unterschiedliche Nahrung nehmen die Rohrammern zu sich. Im
Sommer fressen sie ebenfalls Insekten, im Winter suchen sie die Halme
nach Insektenlarven und Puppen ab, fressen aber auch Schilfsamen.
Die verschiedenen Rohrsänger kommen teils im offenen Schilf vor,
teils lieben sie mehr die landseitigen Bestände mit dichterem
Pflanzenunterwuchs. Vom Land zum See wird man zunächst den
Sumpfrohrsänger, dann Teich- und schließlich besonders
häufig Drosselrohrsänger finden. Unablässig sind die
Rohrsänger auf Insektensuche, fressen auch sehr kleine Kerbtiere,
wie z.B. frisch geschlüpfte Mücken.
Der typische "Halmläufer" ist der Teichrohrsänger. Er pickt
sitzende Insekten ab, kann aber auch kurz auffliegen und sie im Flug
erhaschen.
Der Drosselrohrsänger ist wohl zu schwer und zu wenig wendig
für diese Flugjagd. Er kann dafür ein wenig fischen und holt,
am äußersten unteren Ende eines Schilfhalms sitzend, gern
Wasserinsektenlarven heraus, manchmal auch kleine Fische. Recht
spezialisiert ist der Mariskensänger. Er hupft im Schilf gern im
unteren Bereich herum, liebt auch kräftigen Unterwuchs und scheut
sich nicht, unter die sogenannte "Knickschicht" einzudringen. Das ist
die Schicht aus quergestellten und breitgedrückten Halmen und
Blättern - vor allem auch Rohrkolbenmaterial -, die sich durch
Wind und Schneelast einige Dezimeter über dem Boden ausgebildet
hat. Hier überwintern gern Spinnen, und auf die hat es der
Mariskensänger abgesehen. Außerdem kann er ein bisschen
tauchen und fischt sich Insektenlarven.
Die Rohrsänger sind samt und sonders gut ans Klettern auf
senkrecht stehenden Halmen angepaßt. Mit großen Zehen und
langen Beinen halten sie sich fest, wobei sie ein Bein strecken, das
andere anziehen. Ihre Nester weben sie meist an mehrere Schilfhalme an,
der Mariskensänger aber baut im Gebüsch. Auch ein Schwirl
kommt im Schilfwald vor: der Rohrschwirl. Auf den ersten Blick mag man
ihn mit einem Rohrsänger verwechseln, aber die andere
Fortbewegungsweise ist ganz charakteristisch: Er kann nicht hüpfen
wie ein Sänger, sondern läuft "schlüpfend" durch
die Halme."
Wintergäste
Vor allem im Winter gibt es im Schilf nicht wenige Beutelmeisen zu
beobachten. Es wird vermutet, daß sie aus weiter nördlich
gelegenen Regionen zugewandert sind.
Diese Schilfgäste sind darauf spezialisiert, überwinternde
Insektenlarven und Puppen, die mitten in den Röhren der
Schilfhalme sitzen, herauszupulen. Dazu schlagen sie zunächst
einmal den geschlossenen Schnabel leicht ein, öffnen ihn dann ein
wenig und drehen ihn. Durch wiederholte Anwendung dieser Technik
kriegen sie so einen Spalt in das zähe Material, aus dem sie die
Larve schließlich herausziehen. Die Rohrammern machen das anders.
Sie beißen die Halme an und knabbern sich ein Loch hinein.
Der häufigste Wintergast im Schilfwald ist erstaunlicherweise die
Blaumeise. Sie hat wieder eine andere Technik: Sie "zirkelt" nicht wie
die Beutelmeise und beißt nicht wie die Rohrammer, sondern hackt
von oben nach unten parallele Striemen in die Wand eines Schilfhalms,
bis diese dünn wird und nachgibt.
Gern fliegt auch der Zaunkönig ins Schilfgestrüpp ein. Er
hält sich vor allem im unteren Bereich auf und bevölkert so
im Winter den Biotop, der im Sommer im wesentlichen den
Mariskensängern vorbehalten ist. So ist die Kleinvogelbesiedelung
des Rohrwaldes recht vielfältig und unterschiedlich.
Jeder Vogel bevorzugt seine eigene "Höhenlage", manche sind eng an
bestimmte Gebiete angepaßt, wie die Bartmeisen, andere bewegen
sich in einem größeren Bereich, wie die
Teichrohrsänger. Im Sommer sind die Verhältnisse anders
als im Winter. Teils ändern die Arten ihren Aufenthaltsbereich
(die Bartmeise wandert von "ganz unten" nach "ganz oben"), teils sind
sie durch andere Arten ersetzt. Das folgende Schaubild gibt eine
Übersicht.
Verteilung der Vögel im Schilfbiotop
Quelle: Nachtigall 1979
Vom Insektenleben im Röhricht
Alle Röhrichtvögel tanzen nicht zum Spaß die Halme
hinauf und hinunter. Sie sind auf der Suche nach Nahrung. Im untersten
Bereich fischen manche Vögel nach kleinen Wassertieren. Sonst ist
aber der Überwasserschilfwald selbst die Heimstätte eines
Heeres von Insekten, die sich alle mehr oder minder vom Schilf
nähren. So fließt in einem großen Kreislauf ein Teil
der im pflanzlichen Schilf materialgebundenen Energie zu den Insekten
und weiter zu den Populationen insektenfressender Schilfvögel. Die
Abbildung zeigt nur einen kleinen, wenngleich charakteristischen
Ausschnitt aus der Masse der ungebetenen Insekteneinmieter.
Wieder gibt es ganz spezifische Anpassungen. Viele Arten leben als
Larven im hohlen Schilfhalm selbst, andere bevorzugen die Blattachseln,
wieder andere induzieren eine Art Galle, ein spezielles pflanzliches
Gewebe um sich herum, und dazu kommt die Masse derjenigen Insekten, die
auf den Blättern und außen an den Halmen entweder nur kurz
sitzen oder dort einen Teil ihres Lebens verbringen.
Überwasser – Biozönosen in der Schilfregion
Quelle: Nachtigall 1979
So, wie im Nest des Weißstorchs Spatzen als Untermieter hausen
oder im Bisamrattenbau Mäuse, so leben außen an den
Schilfzigarren weitere Untermieter, die sich den neu gewachsenen
"Mikrobiotop" zunutze machen. Es sind andere Halmfliegen, aber auch
Milben und Gallmücken. Wenn die Halmfliege ausgeschlüpft ist,
fault das ganze Gebilde und bietet den genannten Insekten nun wieder
Nahrung. Sogar die Kotbällchen der Fliegenlarve, die noch im
Innern ruhen, werden wieder aufgenommen, zersetzt und umgewandelt.
Auch die eigentliche Röhre im Innern der stark verholzten Galle
bleibt selbstredend nicht ungenutzt, wie überhaupt kleinere und
größere Hohlräume in jedem Biotop wieder besiedelt
werden. So legen Heuschrecken ihre Eier in diese Röhren ab, die
darin den Winter überdauern. Es überwintern aber auch
Ohrwürmer, manche Käfer und besonders Spinnen in diesen
schützenden Gängen. Finden sie diese mit Eiern
angefüllt, so räumen sie sie erst einmal aus und fressen wohl
auch den nahrhaften Inhalt.
Auch die weiter unten liegenden Halmabschnitte bleiben von
Schadinsekten nicht verschont. So findet man an längsgeschnittenen
Halmen häufig kleine Ausbuchtungen nach innen. Das sind Gallen,
die die Pflanze um die Larve der Schilfgallmücke, Perrisia
inclusa, herumgebaut hat. Sie sind nicht größer als ein
Reiskorn und sehen auch so aus.
Ein besonderer Schädling ist der Rohrzünsler, Schoenobius
gigantellus. Seine Raupe bohrt sich in junge Schilftriebe ein und
frißt sie der Länge nach aus. Solche Triebe sterben ab.
Dann wechselt die Raupe auf einen neuen Trieb und wiederholt ihr
Zerstörungswerk. Weniger schädlich ist der häufige
Rohrbohrer, Phragmataecia, ebenfalls ein Schmetterling.
Die Larven der Rohreule, Archanara geminipunctata, nagen ebenfalls die
Halme innen aus, so daß diese irgendwann bei einem kräftigen
Windstoß abbrechen. Neben anderen Insekten gibt es dann noch die
Schilfschildläuse, deren Weibchen als ungeformte, sack- oder
schildartige Gebilde besonders in der Nähe der Blattachseln
sitzen, und weiter Blattläuse auf den Blättern selbst, allen
voran die Pflaumenblattlaus.
Alle diese ungebetenen Insektengäste schädigen das Schilf,
entweder kaum merklich (wie die Blattläuse) oder doch mehr oder
minder drastisch. So wachsen Halme mit "Schilfzigarren" nicht mehr,
oder sie fruchten nicht mehr, wenn sie vom Halmspitzenminierer
Tomasiella befallen sind.
Gefürchtet ist die Rohreule, da sie die Halme zum Abbrechen
bringt. Am Neusiedler See wird sie durch den winterlichen Schilfschnitt
kleingehalten. Sie verpuppt sich nämlich in den
Überwasserstengeln, die im Winter ja vielfach abgeschnitten und
verarbeitet werden. So kann sie sich nicht so stark verbreiten.
Eine ganz einzigartige Biozönose also im Biotop des Schilfwalds.
Vielfacher Insektenbefall in und an den Schilfhalmen zieht ein
vielseitiges Kleinvogelleben nach sich. Der Insektenbefall
schädigt den Schilfwald nicht wirklich- man schätzt am
Neusiedler See den Ausfall nur auf 0,3% der Primärproduktion-,
aber ohne ihn wäre die Kleinvogelpopulation gestört, und dies
würde sich wieder an anderen Stellen im Nahrungskreislauf
bemerkbar machen" (NACHTIGALL 1979).
Zusammenfassung:
Die grundsätzlichen Biotopqualitäten von Röhrichten
müssen als sehr hoch eingestuft werden, auch wenn sie artifiziell
in Form einer Schilfkläranlage (synonym Pflanzenkläranlage,
bepflanzter Bodenfilter) innerhalb einer ausgeräumten
Kulturlandschaft neu etabliert werden (Sekundärbiotop).
Es hat sich gezeigt, dass auf Schilfröhrichte spezialisierte
Vogelarten selbst kleinflächige, primär klärtechnisch
zweckbestimmte Areale gut annehmen. Einige Spezies, die unter hiesigen
Verhältnissen möglicherweise Einstand nehmen, seien
nachfolgend aufgeführt:
Sumpfrohrsänger - Acrocephalus palustris
Schilfrohrsänger - Acrocephalus schoenobaenus
Rohrammer - Emberiza schoeniclus
Tümpelsumpfhuhn - Porzana porzana
Kleines Sumpfhuhn - Porzana parva
Rohrdommel - Botaurus stellaris
Zwergdommel - Ixobrychus minutus
Bartmeise - Panurus biarmicus
Haubentaucher - Podiceps cristatus
Rohrweihe - Circus aeruginosus
Sumpfohreule - Asio flammeus
Diese Habitate werden ferner von nicht speziell auf das Leben im
Schilfwald angepaßten Arten stark frequentiert (z.B. Meisen,
Sperlinge, Kuckucke, Bekassinen u.a.).
Aufgrund ihres üppigen Nahrungsdargebots in Form verschiedenster
Insekten sind sie auch für Zugvögel wichtige "Raststationen"
auf ihrem beschwerlichen Weg Richtung Süden (überwiegend zum
afrikanischen Kontinent).
Schilfkläranlagen
(constructed wetlands) sind daher tendenziell in der Lage, neben
primären Abwasserreinigungserfordernissen auch sekundäre
naturschützerische Anliegen zu befriedigen.
Literatur:
BLUMBERG, M., 1986: Durchführbarkeitsstudie zur gutachterlichen
Mission “Wurzelraumverfahren“ in der Republik Niger im
Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit
GmbH. –Universität Kassel.
NACHTIGALL, W., 1979: Unbekannte Umwelt. Hoffmann und Campe. Hamburg
Antwort
zu Frage 16:
1) Dieser Befund (hohe Diversität von Pflanzenarten) basiert auf
meinem etwas eigenwilligen Bepflanzungskonzept. Dieses möchte ich
nachfolgend zuerst vorstellen.
2) Unter dieser Ordnungsnummer ziehe ich dann eine selbstkritische Bilanz nach mittlerweile 13 Betriebsjahren.
1. Bepflanzungskonzept Mischwasserbiotop Lahstedt-Gadenstedt
Der Biotopkomplex (vielleicht sollte man besser Reinigungskaskade
sagen) besteht aus einem Absetzteich mit schwimmender Tauchwand, einem
Speicherteich mit hydraulischer Vorentlastung und einem
schilfbepflanzten Bodenfilter mit gedrosseltem Ablauf.
Dem vielerorts vertretenen Konzept, solche neu eingerichteten Teiche
der natürlichen Sukzession zu überlassen, sind wir nicht
gefolgt.
Die Entwicklung zur Klimaxgesellschaft erfordert oft sehr lange
Zeiträume. Uniforme Entwicklungen sind wahrscheinlich, weil die
Spontanbesiedlung und Nischenbesetzung vieler Arten, die in
nachstehender Bepflanzungsliste aufgeführt sind, in einer sehr
stark anthropogen geprägten Landschaft nicht gegeben ist. Ihre
natürliche Verbreitung in das hier betrachtete Areal ist oftmals
fast auszuschließen, da sie, obwohl hier heimisch und
standörtlich angepasst, in der größeren Umgebung nicht
mehr anzutreffen sind. Die Standorteignung von Pflanzen kann immer nur
relativ weitgefasst angegeben werden (ökologische Amplitude).
Es wurde durchaus mit Absicht eine große Zahl verschiedener
Spezies ausgewählt, die sich im Laufe der folgenden Jahre
entsprechend den zwischenartlichen Konkurrenz- bzw. Dominanzbeziehungen
reduziert hat.
Stark wuchernde Ubiquisten (z.B. Typha latifolia - Breitblättriger
Rohrkolben oder Phragmites communis - Gemeines Schilfrohr) kommen an
den Ufern der Teiche nicht zur Anpflanzung, sondern lediglich als
Funktionalbepflanzung der Bodenfilter - und dort entsprechend ihrer
natürlichen Dominanz monotypisch. Im Bereich der stark
schwankenden Wasserlinie des Teichretentionsraums
(Rückhaltevolumen ca. 15000m³) dominieren Seggenarten (Carex
ssp.), die als amphibische Pflanzen sowohl längere Phasen der
Überflutung als auch periodisches Trockenfallen tolerieren. Ihr
oberflächennahes Wurzelgeflecht erfüllt vor allem die
Funktion der Uferbefestigung. Ferner kommt ihnen eine gewichtige
Bedeutung als Schwebstofffänger zu. Im freien Wasserkörper
finden sich sowohl freischwimmende Wasserpflanzen (z.B. Krebsschere)
als auch submerse Laichkräuter (Potamogeton ssp.) und einheimische
Schwimmblattpflanzenarten (Teichrose, Seerose, Seekanne), die sowohl
eine Belüftungs- als auch eine Beschattungsfunktion erfüllen.
Die typische Zonierung von Sumpf- und Wasserpflanzen an Teichen ist an
vier Stellen beispielhaft im Bereich des Mischwasserbiotops in direkter
Folge mit jeweils unterschiedlichen Arten dargestellt.
Tiefwasserzone:
Nymphaea alba
Nuphar lutea
Stratiotes aloides
Mittelwasserzone:
Scirpus lacustris
Potamogeton natans
Typha angustifolia
Flachwasserzone:
Iris pseudacorus
Acorus calamus
Caltha palustris
Submerse, frische bis nasse Uferzone:
Lythrum salicaria
Filipendula ulmaria
Myosotis palustris
Einige Arten wurden schließlich gewählt, da sie in der
freien Natur in ihrem Bestand gefährdet oder selten geworden sind
(Nuphar lutea - Gelbe Teichrose).
Sumpf- und Wasserpflanzen im Bereich des Mischwasserbiotops
Acorus calamus
(Kalmus)
Alisma plantago - aquatica
(Gemeiner
Froschlöffel)
Butomus umbellatus
(Schwanenblume)
Caltha palustris
(Sumpfdotterblume)
Carex acutiformis
(Sumpfsegge)
Carex caespitosa
(Rasige Segge)
Carex elata
(Steife Segge)
Carex flava ssp. vulgaris
(Gelbe
Segge)
Carex gracilis
(Scharfe Segge)
Carex hartmanii
(Hartman’ s Segge)
Carex panicea
(Hirsen-Segge)
Carex paniculata
(Rispen-Segge)
Carex pseudocyperus
(Große Zyperngras-Segge)
Carex riparia
(Ufersegge)
Carex rostrata
(Schnabel-Segge)
Carex serotina
(Späte Gelbsegge)
Carex vesicaria
(Schmalblättrige Blasensegge)
Carex vulpina
(Fuchs-Segge)
Filipendula ulmaria
(Mädesüß)
Glyceria maxima
(Großer Wasserschwaden)
Iris pseudacorus
(Sumpfschwertlilie)
Juncus inflexus
(Blaugrüne Binse)
Lysimachia vulgaris
(Gemeiner Gilbweiderich)
Lysimachia nummularia
(Pfennigkraut)
Lythrum salicaria
(Blutweiderich)
Mentha aquatica
(Wasserminze)
Myosotis palustris
(Sumpf- Vergissmeinnicht)
Ranunculus flammula
(Brennender Hahnenfuß)
Scirpus lacustris
(Teichsimse)
Sparganium emersum
(Einfacher Igelkolben)
Sparganium ramosum
(Ästiger Igelkolben)
Typha angustifolia
(schmalblättriger Rohrkolben)
Veronica beccabunga
(Bachbunge)
2. Fazit nach nunmehr 13 Betriebsjahren (2012)
2.1. Die in Einzelexemplaren gesetzten
Freiwasserpflanzen (Hydrophyten) sind alle eingegangen (Krebsschere,
Seerosen, Laichkräuter etc.). Ich bin der Meinung, dass es nur
teilweise an den hypertrophen Milieubedingungen liegt,
überwiegend sehe ich die Pflanzmethode und Substratverankerung als
Ursache.
2.2 Die Pflanzen der amphibischen Zone (Innenböschung) und der
Dämme insgesamt haben sich ganz überwiegend trotz eines sehr
geringmächtigen Wurzelhorizonts oberhalb der PE-HD-Dichtungsbahn
sehr gut und dauerhaft etabliert.
2.3 Die Trockenmagerrasenmischungen (Stichwort Blühwiesen) auf den
Betriebswegen und Außenböschungen haben sich dauerhaft
behauptet und entfalten die intendierten Funktionen für
Schmetterlinge und andere Insekten, sowie als Samenvorrat für
überwinternde Vögel.
2.4 Eine natürliche Schwimmstoffsperre auf einer
Kalkschotterschwelle zwischen Absetz- und Speicherteich aus
Schoenoplectus lacustris konnte trotz dreimaliger Nachpflanzung nicht
realisiert werden. Der Fraßdruck durch Bisamratten und
Wasservögel war auch durch technische Schutzvorrichtungen nicht zu
überwinden.
2.5 Die vorkultivierten Teichinseln von drei verschiedenen
Herstellerfirmen, die versuchs- und vergleichsweise installiert wurden,
hatten allesamt massive Verbissschäden durch Wassergeflügel,
also durch Enten, Gänse und Rallen. Experimentell wurden von uns
Geogitter zum Schutz nachgerüstet, was sich bewährt hat.
2.6 Populus nigra (Schwarzpappel, nicht hybridisiert) wurde auf
Initiative eines Ratsherren der Gemeinde am Ufer der angrenzenden Fuhse
gepflanzt. Was es mit dieser vom Aussterben bedrohten Art auf sich hat,
erläutere ich unter folgendem Link: Die Schwarzpappel – Baum des Jahres 2006
Antwort
zu Frage 17:
Nein, das ist Unsinn – aus vielerlei Gründen.
Die Wurzelraumanlage Othfresen der Gemeinde Liebenburg (mit nunmehr ca.
6500 angeschlossenen Einwohnergleichwerten) besteht jetzt seit 1974. Es
war eine meiner Aufgaben 1984 das Symposium zum zehnjährigen
Bestehen dieser Pflanzenkläranlage als Mitarbeiter des Instituts
für Ökochemie (Uni Kassel) zu organisieren. Mit der
Bezirksregierung Braunschweig in Gestalt des Bauoberrates E., die
über Jahre hinweg keine bürokratische Schikane ausgelassen
hat, um die Anlage zu schließen, habe ich mir seinerzeit
höchst unangenehme Wortgefechte auf Fachkongressen und vor
Busladungen von Besuchern (vorwiegend aus Skandinavien und
Österreich) geliefert und mit zahlreichen Diplomanden Beprobungen,
Umbauten und Betriebsoptimierungen vorgenommen.
Fazit all dieser jahrelangen zeitaufwendigen Bemühungen:
-
Die Bezirksregierungen wurden in Niedersachsen abgeschafft.

- Die Pflanzenkläranlage (Wurzelraumanlage)
Othfresen läuft bis heute (2012), wird
also in 2014 vierzig Jahre alt – und ein Ende ist nicht absehbar.
- Die ökonomischen Vorteile (und nicht nur
diese) für die Gemeinde sind riesig darauf hat schon der Gemeindedirektor Kirstein beim
Zehnjahresjubiläum dezidiert hingewiesen (KIRSTEIN, 1985) [2].
- Ein Alterungsprozess dieser
ökotechnologischen Abwasserreinigungsvariante, wie er bei
technischen Systemen ab der ersten Betriebsstunde einsetzt, ist nicht
erkennbar. Es gilt das alte VW-Käfer-Motto …und
läuft und läuft… und läuft.
- Wenn die LAWA fragen würde, wie ich denn die
Abschreibungszeit für Pflanzenkläranlagen festzulegen geneigt sei,
ich wüsste keine wissenschaftlich begründete Antwort: 40 Jahre, 80 Jahre, 120 Jahre?
Jedenfalls viel länger als die
rechnerische Abschreibungszeit von 25 Jahren für konventionelle Kläranlagen gemäß KVR-Leitlinien.
- Wenn ich bei meinen Vorträgen in den
achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts solche potentiellen
Nutzungsdauern prognostiziert habe, war mir Hohn und Spott der etablierten Wasserwirtschaft
sicher. Mittlerweile lacht keiner mehr.
[2] KIRSTEIN, W. [1985]:Erfahrungen der Gemeinde Liebenburg mit der
Wurzelraumentsorgungsanlage Othfresen. In: Grund-lagen und Praxis
naturnaher Klärverfahren – 10 Jahre Othfresen

Antwort zu Frage 18:
Zunächst zur Begriffsklärung:
1) Makrozoobenthos sind die größeren (mit bloßem Auge
sichtbaren), am Grunde von Gewässern lebenden festsitzenden und
beweglichen Tierarten.
2) Drift bezeichnet die Gesamtheit der organischen und anorganischen
Partikel, die in Flüssen und Bächen mit der Strömung
flussabwärts verfrachtet werden. Organismendrift meint hier
also die organischen Partikel (Zoo- und Phytobenthos).
Bei der Mineralisierung des Schlammes am Gewässerboden spielen
diese Tiere (eben das Makrozoobenthos) eine sehr große Rolle und
sind für viele Fischarten eine wichtige Beute bzw. Nahrungsquelle.
Einige Arten seien nachfolgend dargestellt (nach Engelhardt, 1986):
A. Schlammbewohner
1. Borstenwurm (Tubifex tubifex)
2. Zuckmückenlarve (Chironomus plumosus)
B. Filtrierer
3. Köcherfliegenlarve (Neureclipsis)
4. Kriebelmückenlarve (Simulium)
5. Stechmückenlarve (Culex)
6. Wasserfloh (Daphnia)
7. Ruderfüßer (Cyclops)
8. Dreikantmuschel (Dreissena polymorpha)
9. Malermuschel (Unio pictorum)
10. Erbsenmuschel (Pisidium ssp.)
11. Süßwasserschwamm (Spongilla lacustris)
12. Moostierchen (Plumatella fructicosa)
Andere umherkriechende Benthostiere sind
Wasserasseln, Kleinkrebse, Schnecken und die Larven von Köcher-,
Eintags-, und Steinfligen.
13. Wasserassel (Asellus aquaticus)
14. Bachflohkrebs (Gammarus roeseli)
15. Eintagsfliegenlarve (Baetis ssp.)
16. Steinfliegenlarve (Perla ssp.)
17. Köcherfliegenlarve (Polycentropus flavomaculatus)
18. Warzenegel (Glossiphonia complanata)
19. Schlammschnecke (Radix peregra)
Die dargestellten Benthalorganismen verfügen zwar teilweise
über Adaptionen an schnellfließende Gewässer wie z.B.
Saugnäpfe, Krallen, extrem abgeflachte Körper oder graben
sich bei langsam fließenden Gewässern in den Weichboden ein
(z.B. Eintagsfliegenlarven), gleichwohl werden diese natürlichen
selektiv wirkenden Umweltfaktoren, zu denen auch der Geschiebetrieb
ganz massiv gehört, wesentlich durch Spitzenabflüsse aus
kommunalen Misch- oder Regenwassereinleitungen verschärft und
erhöhen die auch natürlicherseits vorhandene Organismendrift
erheblich. Daher betonen wir stets auch deutlich die Retentionsfunktion
von Mischwasserbiotopen bzw. bepflanzten Bodenfiltern neben der
obligatorischen Abwasserreinigungsfunktion.

Antwort zu Frage 19:
Nein, dass ist nicht in Ordnung. Eine im
Standardbetrieb nicht vorhandene Emission wird durch Manipulation des
höhenvariablen Ablaufrohres im Ablaufschacht erst erzeugt. Solch
ein betriebstechnischer Eingriff steht nur dem Betreiber zu.
Es ist ein Spezifikum der Pflanzenkläranlagen, dass durch hohe
Evapotranspiration der Schilfpflanzen im Sommer die zulaufende
Abwassermenge in starkem Maße vermindert wird.
Tagesverdunstungsleistungen von 4-30 mm (=l/m²*d) sind also keine
Seltenheit. Das bedeutet einerseits eine Erhöhung des
Wirkungsgrades der Kläranlage (die biochemischen Umsatzleistungen
der Mikroorganismen steigen bei höheren Substratkonzentrationen
organischer Verbindungen), andererseits wird die reduzierte Wassermenge
jedoch entsprechend aufkonzentriert, so dass der Grenzwert, der ja rein
konzentrationsbezogen festgelegt wird, überschritten werden kann.
Richtiger, auch im Sinne des Umweltschutzes, wäre ein
Grenzwertbescheid über den Schmutzfrachtabbau. Es sind für
schilfbepflanzte Bodenfilter ohne Fremdwassereinfluss im Sommer
häufig abflusslose Zustände festzustellen, weil
sämtliches zufließendes Abwasser verdunstet
(Evapotranspiration), was einer Abwasserreinigung von 100% entspricht.
Verlassen nun beispielsweise wenige Liter Abwasser unter sommerlichen
Bedingungen die Schilfanlage, so kann es durch Aufkonzentrierung zu
einer Überschreitung der für den Langzeitbetrieb festgelegten
Grenzwerte kommen, obwohl die Restschmutzfrachtemission insgesamt
(Konzentration x Menge) minimal oder gleich 0 ist.
Da in einer konventionell-technischen Kläranlage Zu- und
Ablaufmengen nahezu gleich sind (dort gibt es ja keine Pflanzen, die
das Wasser verdunsten), können manche Wartungsfirmen und
Wasserbehörden mit dieser Besonderheit von
Pflanzenkläranlagen schlecht umgehen, obwohl abflusslose
Zustände die beste denkbare Situation bezogen auf die zu
schützende Umwelt darstellen. Als Betreiber sind Sie jedenfalls in
einer optimalen Lage, da alle Wassergesetze des Bundes und der
Länder erst greifen, wenn gereinigtes Abwasser (mit einer
unvermeidbaren Restbelastung in Bäche, Flüsse oder via
Versickerung ins Grundwasser) in angrenzende Umweltkompartimente
eingeleitet wird; also ohne Emission keine Immission und auch keine
Sanktion. Wenn es nur heraustropft weil das Meiste verdunstet, besteht
die oben geschilderte Paradoxie, dass zwar die Restschmutzfracht
minimal ist, aber der konzentrationsbezogene wasserrechtliche
Bescheidwert überschritten werden kann. In praxi ist das
(Aufkonzentrierung) jedoch eine vernachlässigbare Gefahr, da auch
in diesen Betriebssituationen nach unserer jahrzehntelangen Erfahrung
die behördlich festgesetzten Grenzwerte in der Regel von
Schilfkläranlagen weit unterschritten werden.

Antwort zu Frage 20:
Es gibt viele Filterschachtsysteme
und sonstige Behandlungsoptionen. Unter dem hochtrabenden Stichwort
„Unternehmensphilosophie“ auf dieser Website haben wir uns zum KISS-Prinzip
benannt. Mein Freund Benedikt Lambert von der Bioplan Landeskulturgesellschaft
in Sinsheim schickt uns mit seinen Grüßen zum Jahreswechsel immer
Kurzportraits seiner Forschungsergebnisse. Diese kompakten und meiner Meinung
nach exzellenten Beiträge zeigen schlaglichtartig auf, wie man die vom Fragesteller
angesprochene Problemstellung effizient und „as simple as possible“ (KISS)
lösen kann. Diese Flyer aus den Jahren 2008 – 2011 sind nachfolgend ohne
Zusätze oder Abstriche wiedergegeben:





Antwort zu Frage 21:
Als langjähriger Mitarbeiter von Prof.
Kickuth am Institut für Ökochemie der Universität Kassel
habe ich vor ca. 25 Jahren einen Prospekt geschrieben,
der von ihm seinerzeit „abgenickt“ wurde. Diese
mittlerweile historische Kurzbeschreibung steht nachfolgend als pdf-download bereit.
Prospekt Wurzelraumentsorgung

Antwort zu Frage 22:
Nein, so naiv bin ich nicht. Ich lehne
allerdings Internetseiten ab, die nur aus Allgemeinplätzen
bestehen und darauf hinweisen, dass man das beste und billigste Angebot
in einem speziellen Segment habe. Wir fokussieren auf den
wissenschaftlichen Nachwuchs, also auf Praktikanten, Diplomanden,
Doktoranden, Ingenieurkollegen und fachlich interessierte Kunden, die
mehr als oberflächliche Verfahrens- oder Produktwerbung erwarten.
Diese wollen wir mit inhaltlicher Dichte überzeugen und für
den Umweltschutz motivieren bzw. schon vorhandene Überzeugungen
bestärken.

Antwort zu Frage 23:
Ja, Sie haben recht. Grundlegend hat sich in den letzten 30 Jahren
allerdings kaum etwas verändert: Es werden unterschiedlichste
Substrate wie Sand, Kies, Mutterboden, Torf, etc. eingesetzt; die
Mikroorganismen auf diesen Substraten und in dem jeweiligen Porensystem
machen die Arbeit, d.h. bauen die Schmutzstoffe ab und die Pflanzen
haben einige unterstützende Funktionen in diesem komplexem
Zusammenspiel, dass an diversen anderen Stellen auf dieser Homepage
erläutert wird. Neben wasserbürtigen Schadstoffen werden auch
Luftschadstoffe (z.B. in Büroräumen) durch solche mikrobiell
besiedelten bepflanzten Substratfilter eliminiert (siehe air treatment
systems auf www.rootzone.dk). Das (metabolische) Grundprinzip dieser Ökotechniken ist prinzipiell gleich.
Sie tauchen in der Literatur unter folgenden Schlüsselbegriffen auf:
Bepflanzte Bodenfilter
Bewachsene Bodenfilter
Hydrobotanische Klärstufe
Ingenieurökologie
Klärschlammvererdung
Mischwasserbiotop
Nachklärbiotop
Naturschwimmbäder
Naturerlebnisbäder
Ökotechnik
Ökotechnologie
Pflanzenkläranlage
Retentionsbodenfilter
Schilfbepflanzte Bodenfilter
Schilfkläranlage
Sumpfpflanzendächer
Teichinseln
Wurzelmattenfilter
Wurzelraumanlage
Wurzelraumentsorgung
Artificial Wetlands For Wastewater Treatment
Buoyant Mats With Emergent Aquatic Plants
Constructed Wetlands
Ecological Engineering
Ecotechnologies
Engineered Wetlands
Floating Islands
Floating Rafts
Floating Root Mats
Floating Treatment Wetlands
Floating Vegetated Islands
Floating Wetland Systems
Green Roofs (With Marsh Plants)
Natural Pools
Natural Swimming Pools
Reed Bed Sewage Sludge Treatment
Reed Bed Sludge Composting
Reed Bed Treatment System
Reed Beds
Root Mat Filter
Root Zone Method
Sewage Sludge Reed Bed Systems
Sewage Sludge Treatment By Constructed Wetlands
Stormwater Treatment Wetlands
Treatment Of Agricultural Effluents By Constructed Wetlands
Treatment Of Stormwater Runoff
Treatment Wetlands
Wetland Garden (Bog Garden)
Wetland Roof
Wetland Systems For Water Pollution Control
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