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Untersuchungen
zur Arthropodenfauna
der Schilfkläranlage Lahstedt-Gadenstedt
von
Roman Gotthold, Ines Thißen,
Daniel Graeber, Simone Riedelbauch,
Matthias
Schaefer und Sonja
Migge-Kleian
Schilfbestände stellen in
Mitteleuropa einen Lebensraum für zahlreiche, teilweise
stark
angepasste Tierarten dar. In einer Pflanzenkläranlage zur
Reinigung von
Abwässern ist Schilf Lebensraum für eine
vielfältige Tiergemeinschaft
in einer ansonsten an natürlichen Habitaten relativ armen
Agrarlandschaft. Wie stark die Artenvielfalt der Landschaft aber
tatsächlich durch integrierte Schilfkläranlagen
erhöht wird, hängt mit
dem Grad der strukturellen Heterogenität eines solchen
naturnahen
Inselhabitats und dem von ihm bereitgestellten Angebot an
Lebensräumen
für unterschiedliche Tierarten zusammen.
Schilfradspinne
(Larinioides cornutus)
Dank an den Fotografen Jürgen Peters
Im
Jahre 2004 konnte dies in Untersuchungen der Arthropodengemeinschaft in
der Schilfkläranlage der Gemeinde Lahstedt/Gadenstedt,
Landkreis Peine,
gezeigt werden. Durch die unterschiedliche Beschaffenheit der in den
Schilfbeeten verwendeten Bodensubstrate und die verschiedenartige
Bepflanzung sowohl innerhalb der Anlage als auch in den angrenzenden
Biotopsäumen entstand eine Vielzahl an Lebensräumen,
welche in der
umgebenden, stark monotonen Agrarlandschaft fehlen und die vor allem im
Hinblick auf den Faktor Feuchtigkeit besonders Spezialisten
Entfaltungsmöglichkeiten bieten. So konnten mit verschiedenen
Fangmethoden (Bodenfallen, Standfallen, Halmfallen), die eine
Unterscheidung des Fangs zwischen Boden und Vegetation erlaubten, aus
den
untersuchten Arthropodengruppen Isopoda (Asseln),
Chilopoda
(Hundertfüßer), Myriapoda 2
(Tausendfüßer), Coleoptera (Käfer),
Araneida (Spinnen) und Rhynchota (Schnabelkerfe) ingesamt 187 Arten
nachgewiesen werden. Bis auf die Gruppe der Käfer
(ausschließlich
Bodenfallen eines Fangtermins im Juni) wurden die Fänge
über die
gesamte Vegetationsperiode (April - November) ausgewertet. Für
die
Untersuchung der Asseln, Hundert- und Tausendfüßer
wurde nur auf die
Fänge in Bodenfallen zurückgegriffen, da die Arten
dieser Tiergruppen
fast ausschließlich bodengebunden leben. Sowohl für
die Spinnenfauna
als auch im besonderen Maße für die Zikaden und
Wanzen konnte dagegen
die Bedeutung der höheren Vegetation festgestellt werden. So
kamen
einige Arten der Baldachinspinnen in hoher Zahl auch in
höherer
Vegetation vor. Bei den Zikaden sind besonders die Chloriona-Arten als
Schilfbewohner hervorzuheben, und auch die Blumen und Weichwanzen sind
deutliche Vegetationsbewohner. Insgesamt konnte gezeigt werden, dass
neben der horizontalen Strukturierung des Habitats durch den Aufbau der
Anlage (Lage in der Landschaft, Wasserdurchlässigkeit der
Bodensubstrate) auch die vertikale räumliche Strukturierung
durch das
Schilf eine deutliche Wirkung auf die Verteilung von Mikrohabitaten und
damit auch auf die Artenvielfalt im Biotop
‚Schilfkläranlage‘ hatte.
Zusammenfassend
lässt sich die Schilfkläranlage Lahstedt/Gadenstedt
als ein relativ
heterogen strukturiertes, naturnahes Habitat beschreiben, das einer
Vielzahl verschiedener Wirbellosenarten Lebensraum bietet und
darüber
hinaus auch dem Artenerhalt dienen kann.
Den ausführlichen Artikel finden Sie in folgendem PDF.

Abstract
aus "Insect Communities of Phragmites Habitats Used for Sewage
Purification" von Olaf Athen und Teja Tscharntke, in
Limnologica
29 (1), 1999, Seite 71 - 74

„Untersuchungen
zur Arthropodenfauna der Schilfkläranlage
Lahstedt-Gadenstedt“ von
Roman Gotthold
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