... Ökologisches Gesamtkonzept
der  Gemeinde Lahstedt

"Die Natur zurückholen"

Naturnahe
Abwasserentsorgung
in Lahstedt
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„Die Natur zurückholen“,
so etwa könnte das Motto lauten, dem sich der kommunale Eigenbetrieb Abwasserentsorgung der Gemeinde Lahstedt im Landkreis Peine seit Jahren verpflichtet fühlt.


Die Sanierung und Erweiterung der vier Lahstedter Kläranlagen schreitet Jahr für Jahr voran – auf naturnahe Weise mit möglichst wenig Beton, Technik und Energieeinsatz.

Abwasserentsorgung der Gemeinde Lahstedt
Abwasserentsorgung ist eine gesetzliche Pflichtaufgabe der Kommunen.
Die Lahstedter machen aus der Pflicht eine Kür und verbinden die erforderliche Reinigung des Abwassers mit der Schaffung von Sekundärbiotopen, d. h. sie nutzen diese großflächigen Abwasserbehandlungsareale auch gezielt zum Naturschutz. Dies hat bundesweit Anerkennung und international Nachahmung gefunden.


Die aus drei Teilprojekten bestehende neue Kläranlage in Gadenstedt wurde 1998 als eines der ersten externen Expo 2000 Projekte registriert – und
mit 400.000 DM zusätzlich gefördert. Das war eine phantastische Anerkennung der am Nachhaltigkeitsgedanken der Agenda 21 orientierten lokalen Umweltschutzpolitik des Gemeinderates von Lahstedt.

Die Standortinitiative des Bundespräsidenten und der deutschen Wirtschaft „Deutschland – Land der Ideen“ hat für das Jahr 2007 die naturnahen Abwasserreinigungsanlagen Lahstedts als „Ort im Land der Ideen“ ausgewählt mit dem Präsentationstermin 12. März 2007 (www.land-der-ideen.de).

Auf dem Gadenstedter Klärwerksgelände existiert eine ungemein hohe Mannigfaltigkeit an Pflanzen- und Tierarten (weit über 400). Arten, die man kennt und die auffallen, wie z.B. der farbenprächtige Eisvogel und Arten, die unscheinbar sind, wie z. B. die Rohrsänger oder bestimmte kleinwüchsige seltene Blütenpflanzen.

Kläranlage Gadenstedt

Der Ornithologe Prof. Hans Oelke und sein Mitarbeiter-Team haben mit zahlreichen Japannetzfängen seit 2004 (> 330 h) nicht nur einen sehr hohen Brutvogelbestand mit 32 Arten dokumentiert, wobei Teichrohrsänger, Rohrammer, Stockente, Graugans und Reiherente dominieren, sondern auch 1.380 Rast- und Zugvogelindividuen gefangen und beringt. Darunter befinden sich diverse Rote-Liste-Arten und Arten der Vorwarnliste wie Bekassine, Drosselrohrsänger, Großer Brachvogel, Kiebitz, Knäkente, Rebhuhn,
Schilfrohrsänger, Wiesenweihe, Braunkehlchen, Weißstorch, Bartmeise, Baumpieper, Eisvogel, Gartenrotschwanz, Grünspecht, Kormoran, Kuckuck, Mauersegler, Mehlschwalbe, Pirol, Rauchschwalbe, Rotmilan, Schafstelze, Teichhuhn, Uferschwalbe und Zwergtaucher. Die Brutvogelart Teichrohrsänger erreicht in Gadenstedt mit 20 Brutpaaren eine für Niedersachsen bisher noch nicht erreichte Siedlungsdichte (≙182 Brutpaare/10 ha).

Die Basis für die hohe Artendiversität von 70 Vogelspezies ist die außergewöhnlich hohe Dichte der Arthropoden (Wirbellosen) auf dem naturnahen Klärwerksgelände als Ernährungsbasis (Insekten, Spinnen, Bodenarthropoden), wie sie 2006 durch drei Examensarbeiten der Universität Göttingen dokumentiert wurde.

Die ausführliche Ergebnisdarstellung der umfangreichen ornithologischen
Bestandsaufnahmen sowie eine botanische Inventarbeschreibung wurde 2006 in den „Beiträgen zu Naturkunde Niedersachsens“ (Heft 2) publiziert.

In den sechziger, siebziger und achtziger Jahren ist die Kulturlandschaft teilweise rigide zu Lasten natürlicher Lebensgemeinschaften ausgeräumt worden.
Das Lahstedter Motto „Die Natur zurückholen“ wird mit jedem neuen kommunalen Abwasservorhaben ein gutes Stück weitergebracht.

Die vorstehenden Befunde aus Gadenstedt bestätigen auf eindrucksvolle Weise, dass den Lahstedter „Abwasserstrategen“ die angestrebte Harmonisierung von technischen Umweltschutzerfordernissen mit der Wiedereinrichtung von Rückzugsräumen für gefährdete Tier- und Pflanzenarten gelungen ist.

Wir wünschen unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern (und unseren Besuchsgästen), dass sie auch die Muße finden, gelegentlich zu beobachten, wie viel Natur sich nach kurzer Zeit wiedereinstellt, wenn dafür die Randbedingungen geschaffen werden.

In Gadenstedt haben Sie freien Zugang zu den Schilfklärstufen und nutzen die Wege um die Anlage bereits seit nunmehr zehn Jahren für Spaziergänge. Auch die zahlreichen weiteren eingezäunten Klärwerksareale in unseren Ortsteilen
Groß Lafferde, Oberg und Münstedt stehen Ihnen jederzeit offen. Das Personal unseres Eigenbetriebs Abwasserentsorgung öffnet Ihnen jedes Tor und jede Tür und informiert Sie gerne. Diese Klärwerke sind von Ihnen bezahlt worden und Sie kommen laufend für den Betrieb einschließlich aller Personalkosten auf (in Form von Abwassergebühren). Wir schulden Ihnen dafür Dank und vollumfänglich Rechenschaft. Kurzum, Sie sind herzlich eingeladen und Ihre Meinung ist
uns wichtig.

2002 wurden die Mischwasserbiotope in Oberg und Münstedt
(insgesamt 3 ha)
in Betrieb genommen.

Mischwasserbiotop Oberg

Etwa die Hälfte des Münstedter Areals steht außerhalb des eigentlichen
Betriebsgeländes als öffentliche Grünfläche zur Verfügung. In den Randbereichen der Biotope sind Hochstämme, Heister und Sträucher, überwiegend der Arten Eiche, Esche, Schwarzerle, Feldahorn, Eberesche, Korbweide, Wildbirne, Schwarzer Holunder, Wasserschneeball, Traubenkirsche, Salweide, Hasel, Hundsrose, Schlehe und Korbweide gepflanzt.

Hinzu kommen mehr als 70 verschiedene Sumpf- und Wasserpflanzen in den
Bereichen, die über offene Wasserflächen verfügen. Das sind insbesondere die
Mischwasserbiotope. Dort finden sich Kalmus, Gemeiner Froschlöffel, Schwanenblumen, Sumpfdotterblumen, 22 verschiedene Seggen- und Binsenarten, Blutweiderich, Wasserminze, Ästiger Igelkolben, Pfeilkraut, Rohrkolben, Gilbweiderich und zahlreiche weitere Arten. In der Summe verfügen die bis jetzt ca. 6 ha großen Areale damit über mehrere Hundert verschiedene Pflanzenarten und eine reiche Strukturierung, so dass es nicht verwundert, dass gerade dort sich Fasanen, Rebhühner, Feldhasen, Rehe und eine Fülle von Insektenarten bevorzugt aufhalten. Zahlreiche dieser Arten sind auf die Vielfalt
verschiedener Kräuter und Gräser angewiesen (z. B. der Feldhase) und ihr bundesweiter Rückgang beruht gerade darauf, dass unsere Landschaft diese Vielfalt zu einem großen Teil eingebüßt hat. Über naturnahe Abwasser- behandlungsareale lassen sich auf diese Weise ökologische Nischen schaffen, die einen fortdauernden Bestand dieser Arten gewährleisten.


Die Natur zurückholen - Abwasserversogung der Gemeinde Lahstedt
Die Natur zurückholen


Die Natur zurückholen - Abwasserversogung der Gemeinde Lahstedt
Die Schwarzpappel - Baum des Jahres 2006









Weltkarte
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